Geschichte der Musik- und Milizkapelle Bad Peterstal

 

Etwa 20 Männer riefen im Jahre 1865 den Musikverein Bad Peterstal ins Leben. Der erste Dirigent des jungen Vereines war Lehrer Hirz, der die 20 Mitglieder in die Kunst der Musik einführte.  Am Anfang verfügte die Kapelle über 1 Es-Piccoloflöte, 1 Es-Klarinette, 1 F-Flöte, 3 B-Klarinetten, 1 Posthorn, 3 Flügelhörner, 3 Es-Trompeten, 1 Bariton, 1 Es-Althorn, 3 B-Tenorhörner, 1 F-Bombardon, 1 C-Bombardon, 1 Triangel und 1 Paar Deckel. Der Gesamtwert der Instrumente betrug 473 Gulden =  ca. 400 € nach heutigem Wert.

Der Nachfolger von Lehrer Hirz war Georg Huber (Bartlejörg aus dem Hinterfreiers-bach). Die Kapelle hatte bereits einen beachtlichen Leistungsstand erreicht.
Sie spielte bei allen festlichen Anlässen und bei großen Empfangsfeierlichkeiten wie  beim Besuch von Kaiser Wilhelm I, der Kaiserin, des Kronprinzen und des Großherzog Friedrich I von Baden.

Milizkapelle-1875

Der dritte Dirigent war Musiklehrer Müller, ein Militärmusiker. In seiner Wirkungszeit erhielt der Verein, der die Bezeichnung „Musikchor von Peterstal und Griesbach“ trug, am 10. Mai 1881 erstmals Statuten.

Der §3 bestimmte folgendes:
„Jedes Jahr finden zwei Hauptfestlichkeiten statt, Peter und Paul und das Fronleich-
namsfest, wobei alle Mitglieder zu erscheinen und mitzuwirken haben“.

Besondere Bedeutung kommt auch §6 zu:
„Bei allen Festlichkeiten, bei welchen das Bürgermilitär ausrückt, haben auch alle Mitglieder der Musik zu erscheinen und mitzuwirken. Während dieser Zeit steht das ganze Musikchor unter dem Befehl des Hauptmanns vom Bürgermilitär und hat demselben Folge zu leisten“.

Die Statuten wurden von 42 Personen unterschrieben. Von 1881 trat die Musikkapelle demnach als Milizkapelle auf. Zwei der bemerkenswertesten Anlässe war die Vermählung der Prinzessin Viktoria von Baden mit dem Kronprinzen Gustav von Schweden im Jahre 1884 in Karlsruhe und der Einzug des Erzgroßherzogs Friedrich mit seiner Gemahlin Hilda in die Landeshauptstadt im Jahre 1885. In diesem Jahr übernahm Kapellmeister Erlacher die Kapelle und leitete sie bis 1894. Sein Nachfolger wurde Hauptlehrer Emil Zimmermann. Im Jahre 1895. Am 15. Juli 1897 wurde zwischen der Gemeinde und dem Musikverein ein Vertrag abgeschlossen.
Die Gemeinde stellte nunmehr einen Musiklehrer mit einem Jahresgehalt von 200 Mark an und wies dem Verein jährlich 50 Mark für die Mitglieder zu. Außerdem erhielt jeder Musiker 6 Mark für die Mitwirkung am Fronleichnamsfest und am Peter- und Paulstag. Dagegen verpflichteten sich die Mitglieder, bei allen vaterländischen Festlichkeiten, wie z.B. an den Geburtstagen des Kaiser und Großherzogs sowie bei Beerdigungen von Militär- und Feuerwehrvereinsmitgliedern zu spielen. Im Jahr 1898 kam es infolge von Unstimmigkeiten zu einer Teilung in zwei Vereine („Dorfkapelle“ und „Bästenbacher Musikverein“), die längere Zeit anhielt. Als sich beide Vereine im Jahre 1905 auf dem Katholikentag in Straßburg trafen, kam es auf Anregung des Leiters der Bästenbacher Kapelle Peter Huber (Abereli) zur Aussöhnung.

Der bisherige Kapellmeister der Dorfkapelle, Wilhelm Huber und Sohn des Dirigenten Georg Huber (Bartlejörg), übernahm den wieder vereinigten Verein und leitete ihn bis zum ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg gelang es erst 1921 mit Alwin Ringleb, einem ehemaligen Miltärmusiker, wieder einen Dirigenten für den Wiederaufbau zu finden. Ihm folgte 1925 einer der verdientesten Kapellmeister, der Griesbacher Karl Mayer, der den Dirigentenstab bis 1959 führte und bei seinem Ausscheiden in Anerkennung seiner unermüdlichen Tätigkeit zum Ehrendirigenten ernannt wurde. In seine Zeit fiel auch der zweite Weltkrieg, aus dem 9 Kameraden der Kapelle nicht mehr zurück-
kehrten. Gefallen: Josef Braun (Kirchbauer), Bernhard Guy, Josef Kimmig (Kirchmichel), Franz Roth (Steckenecker), Karl Schmiederer (Küblerkarl), Otto Wiegand. Vermisst: Friedolin Doll (Müllerfranze), Karl Huber (Bierlekarl), Richard Kessler (Bühlmichel). Der Initiative des Karl Mayer war es zu verdanken, dass die Kapelle damals bei wichtigen Anlässen, z.B. am Weißen Sonntag, aufspielte.
Da während der Besatzungszeit Vereine nicht erlaubt waren, musste am 2. Oktober 1948 eine Versammlung die Wiedergründung des Musikvereins beschließen. Mit dem Vorsatz, den Verein in geregelte Bahnen zu lenken, wurde in dieser Versammlung Ludwig Huber (Leo) als erster Vorstand, Josef Doll (Schützenwirt) als zweiter Vorstand, Andreas Huber und Richard Huber als Beiräte, Gebhard Boschert als Schriftführer und Franz Börsig als Rechner gewählt.
Dieser Versammlung wohnten 24 aktive Musiker bei, und zwar Oskar Bächle, Franz Börsig, Gebhard Boschert, Josef Doll, Herbert Erdrich, Andreas Huber (Kreuzandreas), Andreas Huber (Steffen), August Huber, Franz Huber, Hermann Huber, Ludwig Huber, Raimund Huber, Richard Huber, Franz Kessler, Ludwig Kessler, Herbert Kimmig, Edmund Maier, Karl Mayer (Dirigent), Kurt Ritter, Werner Treyer, Karl Waidele, Karl Zeller, Albert Zimmermann, Josef Zimmermann.

Die nun wieder geordneten Verhältnisse im Verein führten dazu, dass die Kapelle als Kulturträger unseres Heimatortes zu den kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten gerufen wurde. Am Fronleichnamstag und an Peter und Paul durfte die Kapelle wieder als Milizkapelle an den Prozessionen teilnehmen. Dass man auch in kameradschaftlicher Hinsicht Grund zum Feiern hatte, entnehmen wir aus den Aufzeichnungen vom 23. Juni 1949.
„Hauptlehrer a. D. Peter Huber feierte seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlaß brachten wir ihm ein Ständchen. Der Jubilar lud zum Umtrunk in das Hotel „Bären-
wirtshof“ ein. Jeder Mann erhielt zwei Flaschen Bier und Brezeln. Als wir gemütlich beisammen saßen, erschien plötzlich nach 4jähriger Kriegsgefangenschaft unser Musikkamerad Alfred Nock. Er war der letzte Angehörige unserer Kapelle, der sich noch in Kriegsgefangenschaft befand. Der erste Vorsitzende Ludwig Huber hieß ihn in unserer Mitte herzlich willkommen und gab gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, dass er sich doch wieder in unsere Reihen stellen wolle. Nach dieser Begrüßung spielte die Kapelle zu Ehren des Heimkehrers einen Marsch“.

Ein großes Ereignis in der Geschichte des Vereins war das Stiftungsfest anlässlich des 85jährigen Vereinsbestehens am 10. September 1950. Diese Festtage, verbunden mit dem Verbandswertungsspiel des Acher-Renchtal-Musikverbandes waren zur damaligen Zeit das herausragende Ereignis in unserer Gemeinde.
In der Generalversammlung vom 13. März 1955 legte der Vorsitzende Ludwig Huber (Leo-Lui) die Geschicke des Vereines in die Hände des ebenfalls aktiven Musikers Kurt Ritter. Doch schon seit dem Jahre 1953 war die musikalische Leitung und Weiterentwicklung auf lange Sicht vorbereitet.

Die Verantwortlichen – allen voran Ludwig Huber – sorgten dafür, dass der aktive Musiker Franz Huber eine qualifizierte Ausbildung erhalten soll, um später die Stelle des Dirigenten übernehmen zu können. Sein Studium an der Musikhoch-schule Trossingen und Freiburg stand für eine Epoche des musikalischen Aufstiegs. Offiziell vollzog sich der Dirigentenwechsel am 28. Mai 1959 (Fronleichnamstag).

Dirigentenwechsel-Karl-Mayer

Zu Beginn der 60er Jahre wurde in der Jugendausbildung neue Akzente gesetzt. Die intensive Proben- und Aufbauarbeit, die Musiklehrer Franz Huber schon während seiner Studienzeit im Jahre 1957 mit der Gründung einer Jugendkapelle begann, fand überall Anerkennung. Bei vielen Auftritten konnte die gestiegene Leistungsfähigkeit der Kapelle unter Beweis gestellt werden. Vom 6.-9. August 1965 feierte die Musik- und Milizkapelle das 100jährige Jubiläum.  Höhepunkt dieses einmaligen Spektakels war der Festumzug, an welchem 39 Musikkapellen und Bürgerwehren teilnahmen.

Das Jahr 1972 brachte einen Wechsel in der Vereinsführung. Der bisherige Vorsitzende Kurt Ritter schied auf eigenen Wunsch aus, blieb aber weiterhin aktives Mitglied. Von seiner hervorragenden Aufbauarbeit zehrte der Verein lange. Für seine 17jährige außergewöhlich erfolgreiche Tätigkeit wurde Kurt Ritter zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Aus den Reihen der aktiven Musiker wurde Kurt Simoneit sein Nachfolger. Er war 1973 am Aufbau des Peter- und Paulsfestes beteiligt, denn in diesem Jahr wurde erstmals ein Festzelt auf dem Gelände der Firma Ladenbau-Maier erstellt. Bei dem Heimatabend des Peter- und Paulsfestes 1983 war unser Ministerpräsident Lothar Späth zu Besuch, welcher zum Ehrenkommandanten der Bürgermiliz ernannt wurde. Im Jahre 1985 setzte Kurt Simoneit als Vorsitzender des Festkommitees „400 Jahre Kur“ in Bad Peterstal Griesbach weitere Akzente. Das kommende Jahr brachte wiederum einen Führungswechsel an der Vereinsspitze. Kurt Simoneit ist auf eigenen Wunsch nach über 15jähriger erfolgreicher Tätigkeit aus dem Amt ausgeschieden. Er war ein engagierter Vorsitzender. Seine Verdienste auch beim Aufbau des Peter- und Pauls-
festes wurden auch von der Bürgermiliz anerkennend gewürdigt. 
Sein Nachfolger wurde der aktive Musiker Herbert Waidele, der es verstand, die bisherige klare Führungslinie fortzusetzen. Die hervorragende musikalische Ausbildung durch unseren Dirigenten führte dazu, dass der Verein mit 61 aktiven Musikern und 8 Zöglingen den bisher höchsten Stand in seiner bis dahin 125jährigen Geschichte erreicht hat. Das 125-jährige Vereinsjubiläum 1990 unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundesinnenministers Dr. Wolfgang Schäuble war ein herausragendes Ereignis in der Geschichte des Vereines. Verbunden mit der Kommandantentagung der badisch-hessischen Bürgerwehren und Milizen nahmen zahlreiche Bürgerwehren und Musikkapellen an dem historischen Festzug teil. Herbert Waidele hat mit seinem persönlichen Engagement diesem farbenfrohen Spektakel eine besondere Note verliehen. Unter seiner Führung wurden 1994 erstmals Mädchen in die Kapelle aufgenommen.
Als 1996 Lothar Kimmig den Führungsstab übernahm, war es ihm bewusst, dass Ihm wohl eine der schwierigsten Aufgaben in der Vereinsgeschichte bevorstand. Er musste den Dirigentenwechsel vorbereiten, denn Franz Huber legte auf eigenen Wunsch den Dirigentenstab 2002 nieder nachdem er Ihn 1959 von seinem Vorgänger übernommen hatte und die Leistungsfähigkeit des Vereines in dieser Zeit in nie geahnte Höhen schrauben konnte. Am 20. Januar 2002 wurde er im Rahmen eines Kirchenkonzerts verabschiedet.

Kirchenkonzert-2002 Dirigentenwechsel-2002

Antonio Sergi geboren in Kalabrien übernahm nahtlos die musikalische Leitung der Kapelle. Er selbst studierte Oboe und Querflöte am Konservatorium in Reggio Calabria sowie Psychologie und Musikwissenschaft in Bologna. Neu organisiert werden musste auch die Ausbildung der Zöglinge. So werden seit 2002 die jungen Musikinteressierten der Kapellen von Bad Peterstal und Bad Griesbach gemeinsam ausgebildet. Dirigent Antonio Sergi die Holzbläser und die anderen Instrumente von Musiklehrern und Fachkräften wie bspw. das hohe Blech von Stefan Börsig, Dirigent in Oppenau. Auch eine Jugendkapelle wurde ins Leben gerufen.
2004 gab Lothar Kimmig den Vorsitz an seinen bisherigen Stellvertreter Roman Huber ab. Während dieser Zeit wurden einige musikalische Neuerungen und Ideen im Bereich der Bewirtung angegangen. So fand erstmals ein Themenkonzert statt, das sich bis zum heutigen Tag als musikalischer Höhepunkt eines jeden Jahres dastellt. Mit der Bewirtung beim Suppegasse-Feschd und Großen Zapfenstreich konnten weitere Einnahmemöglichkeiten generiert werden.
2008 übernahm Klemens Schmiederer die Vereinsführung. Mit großem Elan wurden weitere Einnahmemöglichkeiten mit der Altmetallsammlung angegangen. Aufgrund des Umbaus des Feuerwehrgerätehauses stand das bisherige Probelokal im Floriansaal nicht mehr zur Verfügung. Der Gemeinderat entschied sich den Badischen Hof als Vereinsheim für die Kapelle und weitere Vereine zur Verfügung zu stellen. Um so schnell als möglich der Musik- und Milizkapelle wieder eine geordnete Probe- und Ausbildungsarbeit zu gewährleisten, durfte Anfang 2010 mit dem Ausbau des Saals als Probelokal begonnen werden. Trotz widrigster Umstände gingen die Mitglieder hoch motiviert und mit enorm viel Engagement an die Arbeit. Mittlerweiler freuen sich die Musikerinnen und Musiker über die gelungene Fertigstellung des Proberaumes und der damit verbundenen Sicherstellung der Vereinstätigkeit.